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Bewertung

In den letzten Jahren sind zahlreiche Autorensystemen auf dem Markt erschienen. Überblicke und Vergleiche finden sich beispielsweise in [Ste94,Ste95,HR95]. In [Bol94] werden 26 Autorensysteme bezüglich verschiedener Kritierien miteinander verglichen und bewertet. Frame-basierte Autorensysteme können danach gut für die Erstellung von eher statischen Hypermedia-Dokumenten verwendet werden, sofern hauptsächlich zeitinvariante Medien, wie Text und Graphik, eingesetzt werden. Die Frame-Metapher eignet sich weniger gut für die Entwicklung von dynamischen interaktiven Multimedia-Shows. Hierfür sollte eher auf timeline-basierte Autorensysteme zurückgegriffen werden. Schwierigkeiten ergeben sich bei diesen jedoch zum einen bei der Einbeziehung nicht-zeitlicher Beziehungen in die graphische Repräsentation und zum anderen bei der Handhabung von Informationsobjekten mit unbestimmter Lebenszeit, wie Live-Videos und Interaktionsobjekte. Diese beiden Probleme werden durch Flowchart-Diagramme beseitigt. Zwar wird mit Hilfe von Flußdiagrammen nur noch der grobe Ablauf der Anwendung graphisch dargestellt, dafür lassen sich jedoch Interaktionsobjekte harmonisch in das Gesamtbild integrieren. Leider nehmen die zur Zeit erwerblichen Autorensysteme den Begriff Flußlinie zu wörtlich: Kanten in den Flowchart-Diagrammen spiegeln lediglich den möglichen Kontrollfluß, also Beziehungen, die eine zeitliche Sequenz repräsentieren, wider. Komplexere zeitliche Beziehungen oder andere Beziehungstypen sind im allgemeinen nicht visuell spezifizierbar.

Viele Autorensysteme versuchen, Probleme dadurch zu umgehen, daß sie eine spezielle Programmiersprache in der Verbindungsphase zur Verfügung stellen. Dadurch wird allerdings eine wesentliche Zielsetzung von Autorensystemen, nämlich die Unterstützung von Nicht-Programmierern bei der Entwicklung interaktiver multimedialer Anwendungen, nicht erreicht. Lediglich das Apple Media Kit unterstützt hier den in Abschnitt 3.2.1 beschriebenen Weg der Trennung von Verbindungs- und Programmierphase. Mit Hilfe des Apple Media Tools kann ein Nicht-Programmierer das grobe Layout und die generelle Funktionalität der Anwendung rein graphisch-interaktiv festlegen und bereits testen. Dieser Prototyp kann anschließend in AMTPE-Programmcode transformiert und von einem erfahrenen Programmierer um nicht visuell spezifizierbare Eigenschaften erweitert werden. Die strikte Trennung von visueller und textueller Programmierung bietet Vorteile für das schnelle Prototyping und eine Arbeitsteilung zwischen verschiedenartigen Spezialisten (Designer, Programmierer).

Weitere Probleme vieler existierender Autorensysteme sind die ungenügende Unterstützung bei der Integration beliebiger Interaktionsformen in multimediale Anwendungen (häufig werden nur Buttons unterstützt) und ihre fehlende oder umständliche Erweiterbarkeit bzw. Anpaßbarkeit an zusätzliche oder neuartige Ein- und Ausgabetechnologien. Eine Lösung derartiger Probleme scheint durch die Verwendung objektorientierter Techniken bei der Entwicklung von Autorensystemen zukünftig möglich zu sein (vgl. [Bol95b]).



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Dietrich Boles
Tue Aug 29 13:54:51 MET DST 1995